Vom Leben zwischen den Welten zurück ins Leben dank IoPT

Achtung: Der Text kann Traumata triggern, aber er soll vor allem als Mutmacher dienen!

 

Der 19.04.2015 veränderte mein Leben um 180 Grad. Bis zum späten Nachmittag dieses Tages fühlte ich mich überwiegend in meinen Leben sicher und beruflich und privat lief es gerade ziemlich gut für mich. Ich war selbständig und bekam zu dieser Zeit viele gute Aufträge. Privat hatte ich drei Pflegepferde zur Verfügung, um welche ich mich intensiv kümmerte. Mein Leben war ausgefüllt, für mich hätte es noch lange so weitergehen können.

 

Doch das Leben hatte etwas anderes mit mir vor. Am späten Nachmittag dieses Tages war ich Beifahrerin auf einer Pferdekutsche und wir waren zu viert mit zwei eingespannten Pferden unterwegs. Nachdem bei einem Pferd die Kutsche etwas am Hinterbein anging (weil es etwas schneller unterwegs war als das zweite Pferd), rastete dieses Pferd von einer Sekunde auf die andere völlig aus und ging durch. Das zweite Pferd konnte nicht mehr aus und musste mit. Die Pferde rammten einen Telefonmasten, die Kutsche landete dabei im Graben und begrub mich und ein Pferd unter sich. Bei der Bergung ging dann nochmals etwas schief und mir wurde die Kutsche nochmals über meinen Körper gezogen.

 

Als ich mit einem Hubschrauber in eine renommierte Münchner Klinik geflogen wurde, begann für mich über viele Jahre hinweg die Hölle auf Erden und ohne die IoPT Arbeit (= identitätsorientierte Psychotraumatherapie) würde ich heute sicher nicht mehr leben. Da ich selbst 2014 die Fortbildung dazu bei Franz Ruppert gemacht hatte, hatte ich mir u.a. mit dieser Arbeit und weiteren früheren Ausbildungen schon eine große innere Schatzkiste erarbeitet, die mir den Boden für die Aufarbeitung meines Unfallgeschehens mit seinen massivsten Folgeschäden bereitet hat.

 

Ich lag also in dieser Münchner Klinik und wurde in der Röhre vollständig untersucht. U.a. wurde ich knapp unter dem rechten Auge genäht, hatte mir alle Querfortsätze der Lendenwirbelsäule gebrochen, hatte mehrere Rippenbrüche, erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und hatte einen völlig zerquetschten rechten Daumen. Doch in der Klinik wurde ich ab dem dritten Tag als Simulantin bezeichnet, die nicht aufstehen wollte (was mir wegen extremster Verstopfungsbeschwerden nicht möglich war). Was jedoch keine Beachtung fand war meine rechte Hand (die lag ja auch nur unter der Kutsche eingeklemmt). Dies zog sich dann auch bei Besuchen von weiteren Ärzten außerhalb dieser Klinik durch und ich lief vier Wochen mit einem weghängenden rechten Daumen herum und meine Handgelenksverletzung bemerkte auch niemand. Vier Wochen nach dem Unfall wurde dann ein knöcherner Ausriss des radialen Seitenbandes am rechten Daumen operiert. Doch auch hier lief wieder alles schief. Mein deformiertes und ausgekugeltes rechtes Daumengrundgelenk wurde dabei außer Acht gelassen, es wurde lediglich das Seitenband zusammengenäht. Und auch meinem Handgelenk fehlte ja nichts (außer dass ich es seit dem Unfall kaum mehr bewegen konnte). Somit lief ich dann weitere ca. 1,5 Jahre mit einem operierten Daumen mit ausgekugeltem und deformiertem Daumengrundgelenk herum. Jeder, der sich schon einmal ein Gelenk ausgekugelt hat, weiß, dass man dies eigentlich nicht einmal ein paar Stunden aushält, geschweige denn über Jahre hinweg. Im September 2016 ließ ich mir dann das rechte Daumengrundgelenk versteifen (glücklicherweise nicht das Handgelenk, bei welchem mir auch eine Teilversteifung angeraten wurde) und ich landete über Jahre in der tiefsten inneren Hölle. Ich hatte eine Daumenplatte mit acht Schrauben eingesetzt bekommen und dies war der absolute Horror für mich. Dass ich in dieser Zeit nicht in der Psychiatrie gelandet bin bzw. überhaupt noch lebe, habe ich einzig und allein der IoPT Arbeit zu verdanken. Ich muss dazu sagen, dass ich hochsensibel und rein kinästhetisch veranlagt bin. Das heißt, ich merke die kleinste Veränderung in meinem Körper und der Daumen war nur noch ein Fremdkörper sowie ein ständiger Störfaktor, den ich nicht einmal ansatzweise integriert bekam. Zudem war ich seit dem Unfall keine Sekunde mehr schmerzfrei. Als ich mir 2018 die Daumenplatte entfernen ließ, verbesserte sich mein Zustand wesentlich, auch wenn ich nunmehr mit einem massiv fehlgestellten versteiften rechten Daumen und einem fast steifen rechten Handgelenk für den Rest meines Lebens gesegnet bin.

 

Letztendlich bin ich durch diesen Unfall mit seinen massiven Dauerfolgeschäden innerlich zurück im Mutterleib und in meinen frühen ersten Jahren gelandet. Und mein Leben in dieser frühen Zeit war von Missbrauch, Todesangst, Todesbedrohung, fehlender Sicherheit, Bindungslosigkeit und Alkoholkonsum geprägt. Ich wusste vor dem Unfall schon einiges meiner Geschichte durch die viele innere Arbeit an mir, doch wirklich an die tiefen Gefühle dazu bin ich erst durch den Unfall gelangt. Ich hatte also wieder etwas überlebt, was eigentlich ein Mensch nicht überleben kann.

 

Durch 1000te Anliegenarbeiten (an mir selbst, in Resonanzrollen und als Begleiterin) habe ich es geschafft, mich von meinem Leben „zwischen den Welten“ zurück ins Leben zu arbeiten. Durch meine heftigsten Lebens-Erfahrungen geprägt, wird mich die Aufarbeitung meiner Geschichte ein Leben lang begleiten. Doch dies sehe ich als große Chance für meine persönliche Entwicklung und ich habe dadurch ein Erfahrungspotential erlangt, dass mir Zugang zu sehr vielen und äußerst tiefen Schichten ermöglicht, womit ich anderen Menschen innerhalb kürzester Zeit Zugang zu ihrem innersten Erleben ermöglichen kann, sofern sie dies wollen.

 

Ich verstehe mein berufliches Wirken heute als Seelentaucherin im Bereich der Selbstbegegnung & Ich-Entwicklung und bin dankbar, vieles von dem, was ich mir selbst unter härtesten Bedingungen erarbeitet habe, in meiner im größer werdenden inneren Lebensfreude weitergeben zu können. Auf Wunsch steht mir auch mein pferdischer Seelenbegleiter als Co-Trainer zur Verfügung.